
Vorübergehend (ich hoffe, es ist nur vorübergehend) haben wir eine neue Wanddeko in unserer Wohnung. Unser Kaninchenmann ist krank. Waren am Montag unsere größte Sorgen noch, seine Koordinationsschwierigkeiten und Ausfallerscheinungen in den Griff zu kriegen, kann ich im Moment an nichts anderes als an Nierenwerte, und wie diese zu normalisieren sind, denken.
Schon vor sechs Jahren wurde Samson positiv auf eine parasitäre Erkrankung getestet, die das Nervensystem und die inneren Organe angreift. Damals haben wir das sofort erkannt und umgehend sehr erfolgreich behandelt. Er hat nichts zurückbehalten, keinen Schiefkopf, keine Beeinträchtigungen. Es war immer klar, dass er einen Rückfall erleiden kann, denn der Parasit ist einfach nicht totzukriegen. Und Sonntag war es dann soweit, auch wenn wir uns erstmal keinen Reim darauf machen konnten. Er lief nicht geradeaus, konnte das Gleichgewicht nicht halten, die Beine nicht richtig unter den Körper ziehen. Ein erster Besuch in der Tierklinik brachte keine Klarheit. Die Ärztin war zu sehr damit beschäftigt, zu bedauern, dass Samson kein Hund ist, denn diese geben ja Laut, wenn ihnen was wehtut. Ja, ne, is klar!
Also waren wir Montag morgen, nach bestimmt drei Stunden Schlaf, die ersten, die bei unserer Tierärztin auf der Matte standen. Eine Untersuchung, ein Röntgenbild und ein kritischer Blick auf selbiges, brachte Klarheit. Der Parasit ist wieder da, treibt sein Unwesen, und führt diesmal zu anderen Symptomen als vor sechs Jahren. Die prompt eingeleitete Behandlung zeigte schon am Abend seine Wirkung. Ich habe das Gefühl, dass Samson vielleicht nicht mehr ganz 100% sicher sein wird auf seinen Füßen, aber alles ist besser, als ein Kaninchen mit schweren Lähmungserscheinungen oder kompletter Orientierungslosigkeit. Ja, diese blöde Krankheit ist kein Spaß.
Dienstag dann der nächste Hammer. Die Blutuntersuchung ergab schlechte Nierenwerte. Wieder etwas, wo sich meine Lieblingsparasit austobt. Also bekommt Samson Infusionen. Und damit er nicht jeden Tag in die Praxis muss, haben wir nun diesen schicken Infusionsbeutel zu Hause. An den schließen wir den kleinen Hoppler bis auf weiteres jeden Tag an, hoffen, dass er sich nicht allzusehr wehrt und spülen damit ordentlich seine Nieren durch. Ein bißchen aufs Futter achten wir nun auch, aber Gott sei dank hat meine Tierärztin da meine größten Ängste erstmal zerstreuen könnten.
Um die Infusion aber richtig zu lagern, brauchte es einiges an Improvisation. Die Schlaufe ist so an der Flasche befestigt, dass man die nicht einfach an einen Nagel hängen kann und trotz all meiner kaninchenärztlichen Professionalität, habe ich noch keinen Infusionsständer zu Hause. Wir haben uns mit einem Kabel geholfen. Kabel durch die Lasche ziehen, Knoten rein und dann passt es. So haben wir auch genau die Länge, die wir brauchen, damit wir das Kaninchen auch noch auf dem Boden erreichen. Alles gar nicht so einfach, vor allem wenn ich bedenke, dass ich dass am Wochenden allein machen muss, weil der Liebste sich das EM-Finale in Kiew anschaut.
Aber es wird. Und derweil ruht Samson sich aus und ignoriert die diversen Tees, die ich ihm verdünnt zur Verfügung stelle, damit er auf den Geschmack kommt und von allein mehr trinkt.
