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#39 Banana Yoshimoto, Ihre Nacht

Laaange habe ich nichts mehr zu Büchern geschrieben, die ich gelesen habe. Was wahrscheinlich nicht zuletzt daran liegt, dass das meiste Einheitsbrei war. Ein paar Erleuchtungen waren dabei, das war auch nicht alles schlecht, aber so ein Buch, was einen echt mal überrascht, vom Hocker haut und bei dem man sich auch zwei Tage später noch fragt, wie das alles zusammen passt, das hatte ich schon echt lange nicht mehr.
Bis jetzt. Der Liebste hat mir zum Geburstag Bücher geschenkt. Mit dabei war das neue Buch der japanischen Autorin Banana Yoshimoto. Ich habe von ihr noch nie was gelesen und war entsprechend neugierig. Vor allem, weil ich wissen wollte, was der Liebste mir da so ausgesucht hat.

Aber von vorn. Yoshimoto erzählt die Geschichte von Yumiko und ihrem Cousin Shôichi. Ihre Mütter waren Zwillinge, aber ihr Leben ist in ganz unterschiedlichen Bahnen verlaufen. Shôichi, der mit beiden Beinen im Leben steht erfüllt das Versprechen an seine verstorbene Mutter und sucht Yumiko auf, um ihr zu helfen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Yumiko ist von ihrer, nicht immer leichten Kindheit mit einer verrückten, ehrgeizigen Mutter, die ihr nie wirklich eine Mutter sein konnte, geprägt. Sie führt ein unstetes Leben und leidet an Angstattacken. Gemeinsam begeben sie die beiden auf eine Reise zu den Orten ihrer Vergangenheit, an die Yumiko sich nur verschwommen erinnern kann um das große Geheimnis ihrer Kindheit zu lüften.

Ich bin an den Roman vollkommen neutral herangegangen und wusste nicht was mich erwartet. Und ich muss sagen, dass die Autorin es einem nicht leicht macht. Sie hat ihrern ganz eigenen Schreibstil, in den man sich erstmal hineinfinden muss. Die Dialoge empfand ich als sehr hölzern und gestelzt. Nicht selten dachte ich mir, dass so doch niemand redet. Mittlerweile denke ich mir, ohne andere Bücher von ihr gelesen zu haben, dass dies vielleicht auch Absicht war. Ich begeleite Yumiko und Shôichi also auf ihrer Reise, ins alte Elternhaus, zu den Gräbern der Eltern, in die Klinik, in der die Mutter untergebracht war, und mit dessen Leiter sie eine Affäre hatte, zu Menschen, die Yumikos Mutter gekannt haben. Immer wieder hat Yumiko das Gefühl, sich nicht richtig an Begebenheiten erinnern zu können, ihre Vergangenheit nicht richtig fassen zu können. In Gesprächen mit ihrem Cousin wagt sie sich zu erinnern, und sind diese Dialoge auch noch so hölzern, liegt darin so viel Wahrheit, so viel Erkenntnis. Der Roman plätschert die meiste Zeit vor sich hin, lässt sich mitunter nicht einfach runter lesen, sondern fordert einen heraus, kommt aber ohne größere Höhen und Tiefen daher. War ich zwischendurch nur mäßig begeistert, überzeugt mich der Roman zum Schluss vollkommen. Eine Geschichte, die man erst am Ende richtig versteht, die nicht vorhersagbar ist, auf die man sich einlassen muss. Einfach überraschend und erfrischend und mal so ganz anders, als der Einheitsbrei den ich zuletzt häufig gelesen habe. Je mehr ich drüber nachdenke, desto besser finde ich die Geschichte und die Art, wie Yoshimoto einen aufs Glatteis führt.

Es war mein erster Roman von Banana Yoshimoto, aber sicherlich nicht der letzte. Jetzt bin ich auf den Geschmack gekommen und will mehr.

Geschrieben von Mondscheinblume am 4. Juli 2012 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

Mein Bücherstapel Oktober

Hier nun der Bücherstapel vom Oktober:

Angefangen mit einem Sachbuch. Irgendwann in diesem Jahr hatte ich mir vorgenommen mehr Sachbücher zu lesen. Naja, wenn man Colin Beavan großzügig dazurechnet, ist Englische Könige im Mittelalter mein zweites Sachbuch in diesem Jahr gewesen. Ich musste mich ein bißchen reinfuchsen, in diese sehr akademische Sprache. Wenn man das länger nicht mehr gelesen hat, fällt es anfangs doch schwer. Und es ist absolut kein Buch für Laien. An der ein oder anderen Stelle war ich doch dankbar um mein Mediävistikstudium, selbst wenn es da nur am Rande um englische Literatur ging. Also sehr interessant, aber nicht fürs mal eben zwischendurch.
Deborah Crombie wurde mir von einer Kollegin empfohlen, da ich ja immer auf der Suche nach netten Krimis bin. Deborah Crombie schreibt diese netten, englischen Krimis. Das Hotel im Moor ist der erste Roman um Superintendent Duncan Kincaid und seine Kollegin Gemma James und ich muss sagen, das mach Lust auf mehr. Gut, dass Frau Crombie nicht faul ist, so dass in diesem Jahr der 14. Roman aus dieser Reihe erschienen ist. Da habe ich ja noch ein bißchen was vor mir. Auf jeden Fall empfehlenswert für alle, die gemütliche Couch&Tee Krimis mögen.
Die Liebeslotterie war so ein schnuckelig süßer Roman, fast zu lesen wie ein kleines Märchen um den guten Bürgermeister Tibo Krovic, der unglücklich verliebt ist in seine Sekretärin Agathe Stopak. Es könnte alles so schön sein, wenn ich mich nicht beim Lesen fast zu Tode gelangweilt hätte. Und ich kann noch nicht einmal sagen, woran es genau liegt. Es ist eine wirklich gut geschriebene Geschichte, mit so liebenswerten Charakteren, aber der Geschichte fehlt der Spannungsbogen. Nach der Hälfte hat man das Gefühl, der Autor wüsste selbst nicht genau, wie die Geschichte zu Ende gehen soll. Ein Buch, was ich aufgrund der sehr schönen Geschichte gerne weiterempfehlen würde, aber es nur eingeschränkt tue. Sorry, da fehlt was.
Den Abschluss macht Christiane Paul mit Das Leben ist eine Ökobaustelle. Momentan hat zu dem Thema ja jeder was zu sagen und ich sauge alle Informationen begierig aus. Schade nur, dass mir Frau Paul so gar nichts neues erzählen konnte. Nein, manche Ansichten waren so antiquiert, dass ich mich nur aufregen konnte, und der Liebste mir das Buch am liebsten abgenommen hätte, damit ich wieder zur Ruhe komme. Aber ich habe durchgehalten, in der stillen Hoffnung, irgendwann noch ein Aha-Erlebnis zu haben. Hatte ich nicht. Ich sollte aufhören, solche Bücher zu lesen.

Also wieder ein eher durchwachsener Monat. Keine wirklichen Highlights, weshalb Frau Crombie hier mit ihrem 17 Jahre alten Schmöcker das Rennen zum Buch des Monats macht. Ist das nicht traurig. Und ich kann versichern, bisher siet es im November auch nicht wirklich besser aus.

Geschrieben von Mondscheinblume am 25. November 2011 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

Mein Bücherstapel September

Eigentlich hatte ich gedacht, dass meine anhaltende Blogunlust dazu führen würde, dass ich die Bücherstapel und die Rezensionen an den Nagel hänge, zumal ich da ja eh hoffnungslos in Rückstand geraten bin. Nun, was die Rezensionen angeht, stimmt das auch, weshalb es demnächst nur noch zu ausgewählten Büchern Rezensionen geben wird. Aber bei den Bücherstapeln, bin ich eigentlich nur zwei Monate im Verzug, so dass ich diese nun nachreiche, auch oder gerade weil ich mein schlechtes Bloggergewissen ein wenig beruhigen möchte.
Den Anfang macht ein recht mauer September.


Ich hatte mich sehr auf den neuen Roman von Rebecca Gablé gefreut, nicht weil es ein neuer Warringham wurde, sondern weil es ein neuer Gablé-Roman war. Es ist natürlich eine tolle Geschichte, ein gelungender Roman über die Zeit Heinrich VIII, wobei dieser nicht so sehr im Fokus der Geschichte steht, wie seine erste Tochter Mary. Aber die Verweise auf die “gute alte Zeit”, das Erinnern an Vorgängergenerationen kommt mir doch zu häufig, so dass ich das Gefühl habe, die Autorin wollte um jeden Preis einen vierten Roman über die Warringhams schreiben, und muss nun eine ganze Generation irgendwie überbrücken. Das ist leider nicht gelungen. Ein guter Roman, keine Frage, aber kein Warringham.
Das zweite Buch im September kam von Lucy Clare mit Septemberwünsche. Klar, dass man ein Buch mit einem solchen Titel nicht im Januar lesen kann. Naja, was soll ich sagen: dass ich das Buch gelesen habe, ist keine zwei Monate her, und ich kann mich nicht mehr an die ganze Geschichte erinnern. Drei Freundinnen, die irgendwie alle mit ihrem Leben hardern und dann natürlich alle irgendwie ihren Weg gehen und am Ende toll glücklich werden. Sorry, aber die Geschichte war so triefend vor schlechter Klischees, dass es teilweise nicht zum Aushalten war. Nein, kein Buch das man gelesen haben muss. Ganz und gar nicht.

Also ein eher durchwachsener Monat. Nicht viele Bücher, weil ich mich zu Anfang mit der dicken Gablé etwas schwerer getan habe. Und nicht gut, weil erstere mich nicht so vom Hocker gehauen hat, wie ich es gern gehabt hätte, und trotzdem mein Buch des Monats wird weil Lucy Clare nach dem Motto geschrieben hat: Ein Klischee mehr passt noch.

Geschrieben von Mondscheinblume am 25. November 2011 | Abgelegt unter Gelesen | 1 Kommentar

#38 Lena Johannson, Dünenmond

Als ich dieses Buch in der Sommervorschau gesehen habe, wusste ich das ich es lesen musste. Das hat den einfachen Grund, dass es nicht weit entfernt von unserem Urlaubsort spielte, nämlich in Ahrenshoop.

Josefine verbringt im Sommer ein paar Tage an der Ostsee, weitab ihres stressigen Arbeitslebens. Hier hat ihr Vater, ein Künstler, früher immer die Sommermonate verbracht, ohne Frau und Kind. Um ihrem Vater näher zu sein, besucht sie die Orte, die er in seinen Bildern festgehalten hat. Als sie den Eisverkäufer Jan kennenlernt, verspricht der Urlaub sehr viel interessanter zu werden. Und dann erfährt Josefine, dass sie einen Halbbruder hat.

Das hätte eine sehr schöne Geschichte werden können. Auf den Spuren des Vaters, dem sie nie nahe gekommen ist, verbringt Josefine ein paar Tage in einem malerischen Küstendorf auf dem Darß. Dass es malerisch ist, weiß ich, denn ich war selbst dort. Weniger um auf Josefines Spuren zu wandeln, sondern um in eigenen, kindlichen Urlaubserinnerungen zu schwelgen. Wie dem auch sei. Die Idee des Buches ist gut, und ebenso gut und flüssig erzählt. Aber dann geht leider alles viel zu schnell. Zehn Seiten vor Ende fragt man sich noch, wie sie die Geschichte zu Ende bringt, und schwupps sitzt Jo schon im Auto und ist auf dem Heimweg. Das Thema kann auf 160 Seiten gar nicht so tiefgehend erzählt werden, wie es ihm eigentlich gut getan hätte. Hundert Seiten mehr hätten dem Roman sehr gut gestanden, hätten der Geschichte mehr Raum gegeben, sich zu entfalten um nicht so abrupt enden zu müssen. So bleibt es eine Geschichte ohne viel Tiefgang, die nur an der Oberfläche kratzt. Schade, hier wurde ein Potential vertan. Nichts destoweniger ist es ein schön geschriebener Roman, der nur leider wirklich viel zu schnell vorbei war.

Auf das brütend heiße Wetter war ich stellenweise sehr neidisch, als ich den Roman während unseres eigenen Ostseeurlaubs an einem verregneten Nachmittag auf der Couch unserer Ferienwohnung gelesen habe.

Geschrieben von Mondscheinblume am 4. Oktober 2011 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

#37 Melissa Hill, Übermorgen kommt das Glück

Vor einer ganzen Weile schon habe ich hier davon berichtet, dass ich mich eingehender mit der belletristischen Richtung, der “Frechen Frauen” beschäftigen muss/soll/möchte. Dankbar habe ich einige Leihgaben einer Kollegin erhalten, und Melissa Hill war mit Übermorgen kommt das Glück mein erster Ausflug in diese Richtung. Wobei ich sagen muss, dass die Autorin weniger in die “Hilfe mein Absatz ist abgebrochen”-Richtung geht, sondern etwas romantischer angelegt ist.

Nachdem sie die Uni beendet haben, schließen die Freunde Robin, Leah, Kate und die Pärchen Andrew und Amanda sowie Peter und Olivia einen Pakt. Sie wollen sich nach sieben Jahren wieder in Dublin treffen und schauen, wie sich ihre Leben entwickelt haben. Welche Freundschaften haben Bestand, welche Freunde haben sich aus den Augen verloren? Nach sieben Jahren allerdings, haben sich die Leben der Sieben natürlich häufig anders entwickelt als geplant. Olivia ist Alleinerziehend und erwischt sich dabei, wie sie ihrem gutaussehenden Nachbar hinter der Gardine nachspioniert, Robin hat es nach New York verschlagen, Andrew und Amanda sind verheiratet und versuchen sich an der Familienplanung.

Melissa Hill ist ein netter Roman gelungen. In schlichter aber unterhaltsamer Weise führt sie die Leserin durch das Leben ihrer Protagonisten, beschreibt Höhen und Tiefen. Vor allem die Figuren von Leah, Robin und Olivia hatten meine Sympathien. Die Autorin gibt jeder einen eigenen Charakter und natürlich ist jede so angelegt, dass die Leserin sich in einer der Freundinnen wiederfindet. Die extravagante Amanda sorgt für den Gegenpol. Sie war so egozentrisch, dass ich regelmäßig die Augen rollen musste. Aber so eine Figur darf in einem solchen Roman wohl nicht fehlen. Manchmal ist die Schreibe zu schnörkelig, sind die “Probleme” etwas zu profan. Dafür entschädigt die Autorin am Ende mit einer Überraschung, die mich fast dazu veranlasst hätte, das ganze Buch nocheinmal zu lesen, nur um zu überprüfen, ob ich etwas falsch verstanden habe. Wie von meiner Kollegin schon prophezeit, nimmt man beim Lesen etwas als Tatsache an, was so eigentlich nie gesagt wurde, und wird zum Schluss vollkommen überrascht, wenn die Bombe platzt. Obwohl ich vorbereitet war, bin ich voll in die Falle getappt und konnte mir zum Schluss nur ungläubig die Augen reiben. Wunderbar! Das fand ich einfach toll und dies hat mich für die ein oder andere Länge des Romans eindeutig entschädigt. So sehr, dass hier schon zwei weitere Romane aus Melissa Hills Feder auf mich warten!

Eine Leseempfehlung für alle, die ruhige Frauenunterhaltung mögen. Manchmal vielleicht etwas verschnörkelt, aber das Ende ist das Lesen auf jeden Fall wert.

Geschrieben von Mondscheinblume am 30. September 2011 | Abgelegt unter Gelesen | 1 Kommentar

#36 Kate Christensen, Feldmans Frauen

“Hier, du liest doch sowas”, mit diesen Worten legte mir meine Kollegin Feldmans Frauen vor die Nase. Meine Kollegin ist eher die Krimi- und Thrillerspezialistin, und mit so etwas “langweiligem” wie Feldmans Frauen beschäftigt sie sich nicht. Ich muss zugeben, auf den ersten Blick hat mich Feldmans Frauen auch nicht überzeugt, und ich habe eher zähneknirschend zugestimmt, das Buch mal zu lesen um mir einen Eindruck zu verschaffen. Aber wie so oft, täuschte der erste Eindruck.

Oscar Feldman war Künstler und Gegenstand seiner Kunst waren nakte Frauen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Biografen, die sich nach seinem Tod an einer Biografie über den Künstler versuchen, vor allem die Frauen in Oscar Feldmans Leben unter die Lupe nehmen. Da wären neben seiner Ehefrau Abigail, auch seine langjährige Geliebte Teddy und seine Schwester Maxine. Alle drei sind beeindruckende Persönlichkeiten, die ihren ganz eigenen Blickwinkel auf Oscar und ihr Leben mit ihm haben. Gepaart mit den unterschiedlichen Vorstellungen der Biografen ergibt das eine bunt erzählte Lebensgeschichte des Mannes, Geliebten, Künstlers und Bruders Oscar Feldman.

Kate Christensen hat etwas geschafft, was nicht unbedingt viele Autoren bei mir schaffen. Sie hat mich vollkommen überzeugt. Sie schreibt erfrischend und unverblümt und schafft es, die unterschiedlichen Frauen in allen Facetten zu beschreiben. Jede von Ihnen hatte ihren Platz in Feldmans Leben, ihren Lebensentwurf der durch den Künstler auf die ein oder andere Weise zunichte gemacht wurde. Abigail mit ihrem autistischen Sohn, deren ganzes Leben sich um ihren Jungen dreht, weil sie ihrem Mann nicht geben konnte, was er wollte. Teddy mit den beiden Zwillingen, die bei der Geburt der Töchter den Vater nicht anrufen konnte. Selbst die Zwillinge mit ihren unterschiedlichen Meinungen über ihren Erzeuger kommen zu Wort. Und Maxine, die Schwester, die immer im Schatten des Bruders gelebt hat. Was sie alles für ihn aufgegeben hat, wie viel sie geschluckt hat, als Schwester des großen Oscar Feldman, das kommt hier ans Licht. Sie alle kommen zu Wort, erzählen ihren Teil der Geschichte. Das ist niemals langweilig, sondern hochinteressant, unterhaltsam, manchmal schockierend, manchmal sehr erotisch, kein Blatt vor den Mund nehmend.

Ein empfehlenswerter Roman, für alle, die mal etwas abseits des Mainstreams lesen wollen. Man muss kein Kunstkenner sein, um diese drei Frauen, so unterschiedlich sie sind, doch ins Herz zu schließen.

Geschrieben von Mondscheinblume am 28. September 2011 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

#35 Michael Beavan, Barfuß in Manhattan

Als ich im vergangenen Jahr kurz vor Erscheinen auf dieses Buch aufmerksam wurde, wusste ich, dass ich es lesen muss. Noch nicht lange Vegetarierin und sensibilisiert für nahezu alles, was sich irgendwie mit Nachhaltigkeit beschäftigt, stand dieses Buch ganz oben auf meiner Liste. Aber wie so oft, liest man es nicht sofort, und so kam ich erst ein gutes Jahr später in den Genuss.

Colin Beavan lebt mit seiner kleinen Familie in New York. In diesem Buch beschreibt er seinen Weg zum “No impact man”, in kleinen Schritten will er es schaffen, komplett klimaneutral zu leben. Angefangen beim Kaffee zum mitnehmen, über die Plastikwindeln der Tochter, bis hin zum Strom. Das ist nicht immer einfach und in unserer heutigen Gesellschaft nicht immer ohne Entbehrungen zu bewerkstelligen. Wie Collin und seine Frau Michelle es schaffen, beschreibt er während der Zeit in einem Blog, und nun in diesem Buch (natürlich auf umweltfreundlichen Papier gedruckt und in fast ebenso umweltfreundlicher Folie eingeschweißt).

Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Ich fühlte mich in der Tat nicht belehrt, auch wenn Colin Beavan manches Mal den Zeigefinger erhebt und mit der ein oder anderen Parabel, schwer das schlechte Gewissen hervorruft. Aber er hat ja Recht, und das war mir immer bewusst. Das meiste, was er da so an Fakten aufs Papier bringt, war mir nicht neu, bzw. man kann es ahnen, wenn man nicht vollkommen blind durch die Welt geht. Das ein oder andere habe ich aus dem Buch mitgenommen. Denn auch wenn man selbst nicht auf den Kühlschrank verzichten will und ich auch jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit fahren muss, sensibilisiert das Buch, im Kleinen, ganz still und leise. Man macht sich einiges bewusst, sieht wo man seinen eigenen ökologischen Fußabdruck noch weiter verkleinern kann, und wo man schon auf dem richtigen Weg ist.

Auch wenn der Autor so manche Fakten auf den Tisch legt, ist es kein Sachbuch, eher sein sehr unterhaltsamer Erfahrungsbericht, den ich jedem ans Herz lege, dem unser Klima am Herzen liegt.

Geschrieben von Mondscheinblume am 24. September 2011 | Abgelegt unter Gelesen | 2 Kommentare

Mein Bücherstapel im August

Ein kleiner Stapel ist das da auf dem Bild. Nicht, weil ich so wenig gelesen hätte im August, sondern weil Bücher entweder so schlecht waren, dass ich sie nicht mehr besitze, oder so gut, dass ich sie weiterverliehen habe.
Aber von vorn: Juliet Naked, die englische Version machte den Anfang. Gut zu lesen, selbst auf englisch, auch wenn ich bei englischen Büchern oft das Gefühl habe, manches nicht so recht zu verstehen. Das Sprachverständns trainiert es allemal. Die Alchemie der Unsterblichkeit , leider wieder der Beginn einer Fantasyreihe. Aber das Cover hat mich so angesprungen, dass ich es einfach lesen musste. Ein Fantasykrimi, mal was ganz anderes und eine Mischung, in der selbst ich mal Werwölfe und Vampire gut vertragen kann. Das folgende Buch hat den Sprung aufs Bild nicht mehr geschafft: Mit dir an meiner Seite von Nicholas Sparks. Aus der Sicht eines zickigen, bockigen Teenies geschrieben. Absolut nicht meine Szene. Zwar ebenfalls nicht meine Szene, aber einfach toll zu lesen, weil so rotzig und unverblümt daherkommend: Lucie Flebbe mit Fliege machen. Bereits der dritte Regionalkrimi der Autorin, aus dem Ruhrgebietsstädtchen Bochum. Der hat mir so gut gefallen, dass ich mir den ersten direkt gekauft habe. Den hat die Autorin noch unter ihrem Mädchennamen Klaasen geschrieben. Herr Mozart wacht auf von Eva Baronsky bildet wohl sprachlich und inhaltlich das komplette Gegenstück zu Lucie Flebbe. Sprachlich so wunderschön, die Geschichte um Mozart, der eben noch auf dem Sterbebett sich im nächsten Moment im Wien des 21. Jahrhunderts wiederfindet. Ein Kulturschock der ganz besonderen Art. Nicht auf dem Bild zu finden, weil ich der Freundin A. so davon vorgeschwärmt habe, dass ich ihr es direkt ausleihen musste. Im Gegenzug bekam ich von ihr Echo einer Winternacht von Val McDermid. Einer ihrer unblutigen, eher psychologischen Krimis, wobei ich auch Krimi fast übertrieben finde. Es ist eher die Geschichte von vier Jugendlichen die durch Zufall die Leiche einer jungen Frau finden. Der Roman beschreibt, wie das Leben der Jungs sich für immer verändert und wie zwanzig Jahre später plötzlich zwei von ihnen bei “Unfällen” ums Leben kommen. Gut zu lesen, allerdings war die Autorin mit dem Streuen von Hinweisen zu großzügig. Wer der Mörder war, ahnte ich bereits nach 150 von 500(?) Seiten.

Mein Favorit des Monats ist Die Alchemie der Unsterblichkeit, einfach weil ich es sehr erfrischend fand, mal eine Vampir-/Werwolf Roman abseits der Klischees zu lesen.

Geschrieben von Mondscheinblume am 22. September 2011 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

Mein Bücherstapel im Juli

Ja, ich hinke gewaltig hinterher. Nicht nur was die Rezis angeht, sondern auch die Bücherstapel habe ich in der letzten Zeit gewaltig vernachlässigt. Und da mir sonst der Sinn nicht so nach Alltagsbloggen steht, blogge ich einfach mal Liegengebliebenes ab.


Eine bunte Mischung war das im Juli. Angefangen mit Rebecca Gablés Hiobs Brüder, um das ich lange herumgeschlichen bin, weil es doch so gar nicht in die Gablérichtung passen wollte. Was soll ich sagen: es war toll, anders, aber toll. Gefolgt von Meg Cabots Der will doch nur spielen. Gelesen binnen eines Tages auf der Couch, als ich mich mit krampfiger Schulter nicht bewegen konnte. Dafür war es genau das richtige. Was allerdings der Hund auf dem Cover soll, ist mir bis heute ein Rätsel. Nicht mehr auf das Foto geschafft hat es indes Lucinda Rileys Orchideenhaus, da ich mir vorgenommen habe, gruselig schlechte Bücher rigoros aus meinem Haushalt zu verbannen. Ganze 90 Seiten habe ich geschafft und dann entnervt aufgegeben. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Murakamis Afterdark war danach eine willkommene Ablenkung. Gut zu lesen, lässt er mich allerdings etwas ratlos zurück. Wieder eines der Bücher welche mir das Gefühl geben, zu blöd zu sein, um den ganz tief versteckten Sinn zu verstehen. Pforte der Verdammnis von C.J. Sansom, der erste Teil einer historischen Krimireihe. Wunderbar wegzuschmökern, einfach toll und seit dem immer einen Tipp wert. Der zweite Teil steht schon in meiner Pipeline. Eine wunderbare Überraschung war Simon Lelic mit seinem Debütroman Ein toter Lehrer. Wahnsinn wie der Autor es schafft bei mir Mitgefühl für einen Lehrer zu empfinden, der bei einenm Amoklauf drei Schüler und eine Lehrerin erschießt. Toll geschrieben, aus unterschiedlichen Perspektiven, aber nicht in der Jodi-Picoult-Manier. Ein absoluter Lesetipp! Den Abschluss im Juli bildet Birgit Klaus mit Tier zuliebe. Ich fürchte so langsam bin ich aus dieser Art Vegetarismusbücher rausgewachsen. Was wirklich neues konnte sie mir nicht erzählen und manche Einstellung und Befürchtung ging mir reichlich auf den Keks.
Mein Favorit des Monats eindeutig: Simon Lelic und sein Debüt Ein toter Lehrer.

Geschrieben von Mondscheinblume am 22. September 2011 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

#33 Liv Winterberg, Vom anderen Ende der Welt

Mein allererstes persönliches Leseexemplar war Liv Winterbergs Vom anderen Ende der Welt. Kurz vor Erscheinen habe ich diese Geschichte gelesen und habe das Buch zum Schluss zwiegespalten zugeklappt.

Mary Linley ist die Tochter eines Botanikers und Forschers, der seine Tochter schon von Kindesbeinen an in diese Welt einführt. So ist es nicht verwunderlich, dass Mary sich nichts sehnlicher wünscht, als selbst Forscherin zu werden und die Welt zu entdecken. Für eine Frau im ausklingenen 18. Jahrhundert undenkbar. Als ihr Vater stirbt und Marys Tante nun alles daran setzt, einen geeigneten Kandidaten für ihre Nichte zu finden, nimmt Mary reisaus. Als Mann verkleidet tritt sie eine Stelle als Zeichner auf der Sailing Queen an, und macht ihren Traum wahr.

Natürlich ist dies wieder die Geschichte einer starken Frauenpersönlichkeit, die sich gegen die Umstände ihrer Zeit auflehnt und ihren Weg geht. Das würde mich normalerweise nicht reizen, aber nach Zwei bemerkenswerte Frauen finde ich solche Geschichten, die mit Entdeckergeist und Forscherdrang gespickt sind, lesenswert und interessant. So auch Vom anderen Ende der Welt, dessen Protagonistin Mary einer historischen Person nachempfunden ist: Jeanne Baret. Wie sie ihren Weg geht, die Männer mit ihrem umfassenden botanischen Wissen veblüfft, ist mitreißend geschrieben. Liv Winterbergs Schreibe liest sich flott und sie macht aus der Zeit auf dem Schiff keine romantische Episode, sondern beschreibt es genauso beklemmend, hart und bedrückend, wie ich es mir vorgestellt habe. Eine rundum gelungene Geschichte, wenn nicht im zweiten Teil die fast schon unvermeidliche Liebesgeschichte dazu gekommen wäre. Natürlich verliebt sich Mary in den Botaniker Carl Belham, und das nimmt der Geschichte ihren Schwung, das was zuvor ihre Faszination für mich ausmachte. Denn Liv Winterberg schafft es für mich nicht, diese Liebesgeschichte so einzuflechten, dass ich es ihr abnehmen würde. Diese Episode wirkt auf mich irgendwie zu gewollt, zu konstruiert, so als müsste am Ende auch noch ein bißchen Liebe mit eingeflochten werden. Schade.

Sicherlich empfehlenswert, leider nur mit einem “aber”.

Geschrieben von Mondscheinblume am 25. August 2011 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

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