#39 Banana Yoshimoto, Ihre Nacht
Laaange habe ich nichts mehr zu Büchern geschrieben, die ich gelesen habe. Was wahrscheinlich nicht zuletzt daran liegt, dass das meiste Einheitsbrei war. Ein paar Erleuchtungen waren dabei, das war auch nicht alles schlecht, aber so ein Buch, was einen echt mal überrascht, vom Hocker haut und bei dem man sich auch zwei Tage später noch fragt, wie das alles zusammen passt, das hatte ich schon echt lange nicht mehr.
Bis jetzt. Der Liebste hat mir zum Geburstag Bücher geschenkt. Mit dabei war das neue Buch der japanischen Autorin Banana Yoshimoto. Ich habe von ihr noch nie was gelesen und war entsprechend neugierig. Vor allem, weil ich wissen wollte, was der Liebste mir da so ausgesucht hat.
Aber von vorn. Yoshimoto erzählt die Geschichte von Yumiko und ihrem Cousin Shôichi. Ihre Mütter waren Zwillinge, aber ihr Leben ist in ganz unterschiedlichen Bahnen verlaufen. Shôichi, der mit beiden Beinen im Leben steht erfüllt das Versprechen an seine verstorbene Mutter und sucht Yumiko auf, um ihr zu helfen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Yumiko ist von ihrer, nicht immer leichten Kindheit mit einer verrückten, ehrgeizigen Mutter, die ihr nie wirklich eine Mutter sein konnte, geprägt. Sie führt ein unstetes Leben und leidet an Angstattacken. Gemeinsam begeben sie die beiden auf eine Reise zu den Orten ihrer Vergangenheit, an die Yumiko sich nur verschwommen erinnern kann um das große Geheimnis ihrer Kindheit zu lüften.
Ich bin an den Roman vollkommen neutral herangegangen und wusste nicht was mich erwartet. Und ich muss sagen, dass die Autorin es einem nicht leicht macht. Sie hat ihrern ganz eigenen Schreibstil, in den man sich erstmal hineinfinden muss. Die Dialoge empfand ich als sehr hölzern und gestelzt. Nicht selten dachte ich mir, dass so doch niemand redet. Mittlerweile denke ich mir, ohne andere Bücher von ihr gelesen zu haben, dass dies vielleicht auch Absicht war. Ich begeleite Yumiko und Shôichi also auf ihrer Reise, ins alte Elternhaus, zu den Gräbern der Eltern, in die Klinik, in der die Mutter untergebracht war, und mit dessen Leiter sie eine Affäre hatte, zu Menschen, die Yumikos Mutter gekannt haben. Immer wieder hat Yumiko das Gefühl, sich nicht richtig an Begebenheiten erinnern zu können, ihre Vergangenheit nicht richtig fassen zu können. In Gesprächen mit ihrem Cousin wagt sie sich zu erinnern, und sind diese Dialoge auch noch so hölzern, liegt darin so viel Wahrheit, so viel Erkenntnis. Der Roman plätschert die meiste Zeit vor sich hin, lässt sich mitunter nicht einfach runter lesen, sondern fordert einen heraus, kommt aber ohne größere Höhen und Tiefen daher. War ich zwischendurch nur mäßig begeistert, überzeugt mich der Roman zum Schluss vollkommen. Eine Geschichte, die man erst am Ende richtig versteht, die nicht vorhersagbar ist, auf die man sich einlassen muss. Einfach überraschend und erfrischend und mal so ganz anders, als der Einheitsbrei den ich zuletzt häufig gelesen habe. Je mehr ich drüber nachdenke, desto besser finde ich die Geschichte und die Art, wie Yoshimoto einen aufs Glatteis führt.
Es war mein erster Roman von Banana Yoshimoto, aber sicherlich nicht der letzte. Jetzt bin ich auf den Geschmack gekommen und will mehr.


Als ich dieses Buch in der Sommervorschau gesehen habe, wusste ich das ich es lesen musste. Das hat den einfachen Grund, dass es nicht weit entfernt von unserem Urlaubsort spielte, nämlich in Ahrenshoop.








