#33 Liv Winterberg, Vom anderen Ende der Welt

Mein allererstes persönliches Leseexemplar war Liv Winterbergs Vom anderen Ende der Welt. Kurz vor Erscheinen habe ich diese Geschichte gelesen und habe das Buch zum Schluss zwiegespalten zugeklappt.

Mary Linley ist die Tochter eines Botanikers und Forschers, der seine Tochter schon von Kindesbeinen an in diese Welt einführt. So ist es nicht verwunderlich, dass Mary sich nichts sehnlicher wünscht, als selbst Forscherin zu werden und die Welt zu entdecken. Für eine Frau im ausklingenen 18. Jahrhundert undenkbar. Als ihr Vater stirbt und Marys Tante nun alles daran setzt, einen geeigneten Kandidaten für ihre Nichte zu finden, nimmt Mary reisaus. Als Mann verkleidet tritt sie eine Stelle als Zeichner auf der Sailing Queen an, und macht ihren Traum wahr.

Natürlich ist dies wieder die Geschichte einer starken Frauenpersönlichkeit, die sich gegen die Umstände ihrer Zeit auflehnt und ihren Weg geht. Das würde mich normalerweise nicht reizen, aber nach Zwei bemerkenswerte Frauen finde ich solche Geschichten, die mit Entdeckergeist und Forscherdrang gespickt sind, lesenswert und interessant. So auch Vom anderen Ende der Welt, dessen Protagonistin Mary einer historischen Person nachempfunden ist: Jeanne Baret. Wie sie ihren Weg geht, die Männer mit ihrem umfassenden botanischen Wissen veblüfft, ist mitreißend geschrieben. Liv Winterbergs Schreibe liest sich flott und sie macht aus der Zeit auf dem Schiff keine romantische Episode, sondern beschreibt es genauso beklemmend, hart und bedrückend, wie ich es mir vorgestellt habe. Eine rundum gelungene Geschichte, wenn nicht im zweiten Teil die fast schon unvermeidliche Liebesgeschichte dazu gekommen wäre. Natürlich verliebt sich Mary in den Botaniker Carl Belham, und das nimmt der Geschichte ihren Schwung, das was zuvor ihre Faszination für mich ausmachte. Denn Liv Winterberg schafft es für mich nicht, diese Liebesgeschichte so einzuflechten, dass ich es ihr abnehmen würde. Diese Episode wirkt auf mich irgendwie zu gewollt, zu konstruiert, so als müsste am Ende auch noch ein bißchen Liebe mit eingeflochten werden. Schade.

Sicherlich empfehlenswert, leider nur mit einem “aber”.

Geschrieben von Mondscheinblume am 25. August 2011 | Abgelegt unter Gelesen | Kommentare deaktiviert

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